Die richtige Pflege ist der Schlüssel zu langlebigem Schuhwerk und dauerhaftem Tragekomfort. Während viele beim Begriff „Schuhpflege“ sofort an Bürste und Creme denken, beginnt die Werterhaltung bereits viel früher: beim Kauf, beim täglichen Anziehen und durch den bewussten Umgang mit dem Material.

Qualität und Passform als Fundament
Schuhpflege beginnt bereits im Geschäft. Ein Schuh, der optimal passt, hat eine deutlich höhere Lebenserwartung:
- Zu große Schuhe: Es bilden sich tiefe Gehfalten, in denen das Oberleder langfristig einreißt.
- Zu enge Schuhe: Der Schaft wird aus der Form getreten, Nähte stehen unter Dauerbelastung und Sohlen können sich vorzeitig lösen.
Hochwertige, rahmengenähte Schuhe stellen zwar eine höhere Anfangsinvestition dar, zahlen sich jedoch über Jahre aus. Bei fachgerechter Behandlung können klassische Modelle wie Oxford oder Derby oft sechs bis zehn Jahre getragen werden.
Sorgfalt im täglichen Gebrauch
Der Umgang beim An-und Ausziehen beeinflusst die Stabilität des Schuhs massiv
- Der Schuhanzieher
Er ist unverzichtbar, um die Hinterkappe zu schonen. Eine beschädigte Hinterkappe führt zu instabilem Halt und zerstört langfristig die Strümpfe im Fersenbereich. Ob aus Kunststoff oder als edles Unikat aus Horn (wie die berühmten handgeformten Modelle von Abbeyhorn) – ein glatter Schuhlöffel schützt die Form.
- Das Ausziehen
Schnürsenkel sollten stets weit gelockert, Schnallen (Monstraps) vollständig geöffnet werden. Das Abstreifen mit der Spitze des anderen Schuhs sollte unbedingt vermieden werden, um Kratzer im Leder zu verhindern.
Schuhspanner: Formerhalt im Ruhezustand
In den noch warmen Schuh gehört unmittelbar nach dem Ausziehen ein Schuhspanner. Er erfüllt zwei wesentliche Aufgaben:
- Entlastung: Er nimmt die Spannung von den Bodennähten.
- Glättung: Er führt das feuchte, sich beim Erkalten zusammenziehende Leder in seine ursprüngliche Form zurück und minimiert Gehfalten.
Wichtiger Hinweis zur Wahl des Spanners: Das Modell sollte im Vorderschuh satt anliegen und ein volumiges Fersenteil besitzen, um den Druck gleichmäßig zu verteilen. Sogenannte Federstielspanner sind aufgrund der punktuellen Belastung der Hinterkappe weniger empfehlenswert.
Die Bedeutung von Tragepausen
Ein hochwertiger Lederschuh nimmt während des Tragens beträchtliche Mengen an Fußfeuchtigkeit auf (bis zu 200 ml pro Tag). Um die natürliche Thermoregulation und das Material zu erhalten, benötigt der Schuh zwingend Ruhephasen von mindestens 24 Stunden.
- Ohne ausreichende Auslüftung leidet das Schuhklima (heiße Füße im Sommer, kalte im Winter).
- Premiumschuhe mit grubengegerbten Brandsohlen können Feuchtigkeit hervorragend binden, benötigen aber Zeit, um diese wieder an die Umgebungsluft abzugeben.
Sachgemäße Aufbewahrung und Reparature
Für die Lagerung gelten vier goldene Regeln: Staubgeschützt, lichtgeschützt, trocken und luftig. Ausreichend Platz verhindert zudem, dass harte Sohlenränder das Leder der benachbarten Schuhe zerkratzen.
Sollte doch einmal eine Reparatur nötig sein, ist der Gang zum kompetenten Fachschuhmacher ratsam. Er ist der wichtigste Partner für den Werterhalt, berät bei Flecken oder Passformproblemen und sorgt dafür, dass eine Neubesohlung die Statik des Schuhs nicht verändert.
Mit freundlicher Unterstützung von Rainer Ersfeld