Die Wasserglanzpolitur: Die „Hohe Schule“ der Schuhkosmetik

Wer die Grundlagen der Schuhpflege beherrscht, stellt fest: Da geht noch mehr. Während eine normale Bürstenpolitur für einen soliden Glanz sorgt, erzeugt die Wasserglanzpolitur (WGP) eine Tiefe und Brillanz, die fast an Lackleder erinnert – aber edler, atmungsaktiver und weniger kratzempfindlich wirkt. Das Schwarz wirkt schwärzer, die Farben reicher.

Wasserglanzpolitur auf Lederschuhen
Eine perfekte Wasserglanzpolitur verleiht dem Schuh eine spiegelglatte Oberfläche.

Das Geheimnis der glatten Oberfläche

Normales Glattleder hat unter dem Mikroskop eine unebene Struktur. Das Ziel der Wasserpolitur ist es, diese Poren mit unzähligen hauchdünnen Schichten aus Hartwachs so weit aufzufüllen, bis eine spiegelglatte Fläche entsteht. Das Wasser dient dabei als Gleitmittel zwischen Tuch und Wachs, um die Oberfläche maximal zu verdichten.

Was Sie benötigen

  • Hartwachspaste: Unverzichtbar! Creme aus der Tube ist zu weich. Klassische Dosencreme (z. B. von Burgol) ist ideal.
  • Ein weiches Baumwolltuch: Am besten ein altes, glattes Tuch (kein Frottee).
  • Etwas Wasser: Ein paar Tropfen im Deckel der Cremedose genügen. Ein Spritzer Essig im Wasser kann den Glanzeffekt nochmals steigern.

Schritt-für-Schritt zum Hochglanz

1. Die Vorbereitung

Verwenden Sie am besten einen bereits eingetragenen Schuh. Warum? Bei neuen Schuhen könnten die frischen Gehfalten die harten Wachsschichten sofort wieder aufbrechen lassen.

Experten-Tipp: Viele Profis polieren nur die Schuhspitze und die Ferse auf Hochglanz. Dort bewegt sich das Leder beim Gehen kaum, wodurch das Wachs nicht reißt.

2. Der Auftrag

Wickeln Sie das Tuch stramm um Zeige- und Mittelfinger. Nehmen Sie ein wenig Wachs auf und dippen Sie die Fingerspitze kurz ins Wasser.

3. Das Polieren

Verreiben Sie die Mischung mit sanftem, kreisförmigem Druck auf dem Leder. Geduld ist hier der Schlüssel: Sie müssen das Wachs länger verreiben als gewöhnlich. Sobald das Tuch zu „bremsen“ beginnt, nehmen Sie wieder einen Tropfen Wasser auf.

4. Schicht um Schicht

Wiederholen Sie den Vorgang. Mit jeder Schicht füllen sich die Unebenheiten mehr auf, und der Glanz gewinnt an Tiefe. Erfahrene Schuhfreunde nutzen für die Sohlenkanten und den Absatzmantel oft einen Tropfen Speichel – die „Politur nach Großväter Sitte“ – um auch dort eine perfekte Versiegelung zu erreichen.

Warum sich der Aufwand lohnt

Eine gute Wasserpolitur dauert etwa 10 bis 20 Minuten pro Schuh, doch der Effekt ist nachhaltig:

  • Schutz: Die Wachsschicht wirkt wie ein Schutzschild gegen Schmutz und Nässe.
  • Pflegeleicht: Einmal aufgebaut, lässt sich der Hochglanz bei der nächsten Reinigung mit minimalem Aufwand (einfaches Bürsten oder kurzes Nachpolieren) wieder reaktivieren.

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